Gründung und Werdegang unseres Vereines

Am 10. September 1919 unterzeichneten Österreich und die Alliierten den Vertrag von St.- Germain, der die Auflösung von Österreichs-Ungarn zur Folge hatte. Aus dem Vielvölkerstaat wurde nach dem Ersten Weltkrieg somit ein Rumpfstaat mit 6,5 Mio. Einwohnern - in der damaligen öffentlichen Meinung kaum lebensfähig. Trotz dieser Entwicklung traf sich in Wiener Neustadt im Herbst 1919 eine kleine Gruppe von Briefmarkensammlern und gründeten einen Verein, den damaligen “Briefmarkentausch-Verein Wiener Neustadt“.

 

Damit hat die Geburtsstunde für unseren Verein, der allerdings heute den Namen „Erster Wiener Neustädter Briefmarkensammlerverein "Philatelie", Wiener Neustadt“ trägt, geschlagen. Soweit heute noch eruierbar, waren bei der Gründungsversammlung im Stüberl des Hotels Goldener Hirsch in Wiener Neustadt, Neunkirchner Straße 4, folgende Männer, die als Vereinsgründer gelten, anwesend:

Herr Baumgartner Hans, Weinhändler

Herr Blümel, Notar

Herr Fisch Franz, Kassier der Lokomotivfabrik

Herr Hubalek Josef, Kaufmann

Herr Klettinger, Oberst-Leutnant

Herr Kuderna Rudolf, Kaufmann

Herr Nettl Felix, Kaufmann

Herr Neubauer Josef, Orgelbauer

Herr Neugebauer Dr. Engelbert, Prokurist

Herr Preiss Jean, Briefmarkenhdl.

Herr Sikorsky Josef, Professor, Schulrat

Herr Stümpfler, Major a. D. sowie

Herr Kornfell Roman, Dentist. Er kam kurz nach der Gründung zum Verein.

 

Die Tauschabende fanden zweimal im Monat im Gründungslokal statt, bis diese1925 in den Gasthof Kem "Zum goldenen Adler" in der Adlergasse und in weiterer Folge in das Cafe Lehn in der Wiener Straße verlegt wurden und dann in die Pöckgasse 11. Nach dem Liesinger Brauhof und dem Cafe Wenninger wurde auch der Unionsaal und zuletzt das ehemalige Pfadfinderheim in der Martinsgasse am Unionplatz zum Vereinslokal.

 

Über die Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen und während des Zweiten Weltkrieges ist kaum eine Information erhalten geblieben. Der Verein hat aber trotz der damals sehr schwierigen Lebensumstände in den bewegten ersten 50 Jahren einen steten Aufschwung genommen. Und das, obwohl gerade die Zwischenkriegszeit und die Zeiten während der Hitlerdiktatur und dem Zweiten Weltkrieg alles andere als vereinsförderlich waren. Nach dem Kriegsende – und während der Besatzungszeit - zeigten sich erste Ansätze zur Wiederbelebung des Vereines. Damals kamen auch die ersten neuen Schillingmarken zur Ausgabe, die sich bis heute noch bei Sammlern einer großen Beliebtheit erfreuen. Hier ist vor allem der Rennerblock, der nur vom 5. bis 30. September 1946 frankaturgültig war, als das Prunkstück der Nachkriegszeit zu bezeichnen. Als dann Mitte der 50er Jahre das Ausgabevolumen die 2 und 3 Millionengrenze überstiegen hat, ist der Wert der Neuausgaben richtig verfallen und können diese bis heute kaum noch einen halbwegs vernünftigen Preis halten.

 

Mit der Euro-Einführung haben sich zahlreiche Sammler von den Post- und Vereinsabos verabschiedet. Dazu kommt noch, daß die Jugend wenig Interesse am Sammeln von Briefmarken, sondern eher an elektronischen Geräten (Handys) zeigt.

 

Wenn die älteren Generationen sich von dieser Welt verabschieden, werden die geerbten Bestände ohne Rücksicht auf deren Wert auf den Markt geworfen und drücken so auch die Preisgestaltung. Dabei sind es gerade diese kleinen Druckwerke, die Wissen und Geschichte vermitteln und Dank ihrer Schönheit und Druckqualität auch im Ausland gekauft und gesammelt werden. Aber auch Bau und Kunstdenkmäler sowie in letzter Zeit aktuelles über Sportler und deren Erfolge - wie zum Beispiel vom Wiener Neustädter Tischtennisweltmeister Werner Schlager -liegen der Markenausgabestelle der Post am Herzen.

 

Unser Verein hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem um die Beleggestaltung, den Ersttags- sowie Sonder- und Werbestempel bemüht und dabei große Erfolge in der Vergangenheit und Gegenwart erzielen können. So wurde am 14. und 15. November 1954 die erste Briefmarkenausstellung mit einem Sonderstempel durchgeführt.

 


 

 

Der erste Großtauschtag fand am 9. Juni 1963 im Neuklosterstüberl statt. Auch davon ist ein Beleg aufgetaucht und tieferstehend zu sehen.

 


 

 

In diesem Zusammenhang soll der bis zum Jahre 2000 agile Obmann Johann Pesseg nicht unerwähnt bleiben. Gerade er war es, der in seiner Präsidentschaft zahlreiche Veranstaltungen erfolgreich abgewickelt hat. So zum Beispiel die 50 Jahr Feier des Vereines im August 1969, die mit dem Verbandstag der Österreichischen Philatelisten-Vereine gekoppelt war. Weiter die 60 Jahr-Feier im März 1979, die mit der 700 Jahr Feier des Wiener Neustadter Domes abgewickelt wurde. Neben Festschrift und Festkuverts wurden Gedenkblätter vorn Dom und unserem Briefmarkenverein aufgelegt.

 

Aber auch in der Zeit nach Johann Pesseg, der aus Gesundheitsgründen den Vorsitz des Vereines abgeben mußte, sind zahlreiche Aktivitäten gesetzt worden. Dazu zählt auch der 50. Gemeindetag, der am 18.9.2003 in der Arena Nova durchgeführt worden ist und dabei zu diesem Anlaß auch der Ersttag der Wasserturmmarke erfolgte.

 

Auch mit der traditionellen Werbeschau anläßlich des Tages der Leutnante wurde der BSV. "PHILATELIE" jährlich aktiv. Seit dem Jahr 2004 wird bei jeder Ausmusterung außerdem eine personalisierte Marke aufgelegt. Die Marke des damaligen Jahrganges "Kaiserjäger" ist komplett vergriffen und es werden bereits bis zu € 10,00 dafür geboten. Noch heute erfreuen sich die Belege (Kuverts und Schmuckblätter) der einzelnen Ausmusterungsjahrgänge großer Beliebtheit im In- und Ausland.

 

Im Laufe des Jahres 2009 wurden verschiedene Veranstaltungen im Zusammenhang mit Post, Militär und Vereinen durchgeführt. Am 12. März 2009 wurde anläßlich des 550. Geburtstages von Kaiser Maximilian I. eine Postkarte aufgelegt, bei der unser Verein den Ersttag durchgeführt hat. Ein weiterer Ersttag wurde anläßlich des 100. Geburtstages vorn Flugfeld Wiener Neustadt am 12. Juni 2009 am Flugplatz West abgeschlagen. Auch dafür wurde eine eigene personalisierte Marke aufgelegt. Und als bisher letzte Veranstaltung im heurigen Jahr wurde eine Werbeschau mit Schmuckblatt und Schmuckkuvert bei einem Sonderpostamt am 26. September 2009 bei der Ausmusterung des Jahrganges "Erzherzog Albrecht" durchgeführt. Dabei wurde eine personalisierte Marke mit der Abbildung des Burg-Innenhofes, mit der weltberühmten Wappenwand als Frankatur verwendet.

 

Heute hat unser Verein nur mehr knapp 100 Mitglieder. 1975 zählte der Verein 268 Mitglieder, davon 194 Wien er Neustädter, der Rest aus der näheren und weiteren Umgebung. Der Höchststand war mit nahezu 300 Mitgliedern 1978 erreicht. Nachdem ein großer Teil der Mitglieder außerhalb von Wiener Neustadt lebte, kam es 1969 zur Gründung einer Nebenstelle in Pitten und 1977 zu einer in Mattersburg. Diese beiden Außenstellen haben sich in den Folgejahren selbständig gemacht und existieren heute noch in Aspang und in Mattersburg.